Fahrt durch Mönchengladbach – ein Stück Stadtgeschichte

Rund 20 Kilometer Tour der France durch Mönchengladbach – wenn das drittgrößte Sportereignis der Welt am Sonntag, 2. Juli, in der Vitusstadt zu Gast ist, präsentiert sich die Stadt der Welt in all ihren Facetten. Was Mönchengladbach ausmacht, wird in zahlreichen Bauwerken und Sehenswürdigkeiten an der Tourstrecke offensichtlich. Einige Mönchengladbacher werden im Rahmen der Tour an ausgewählten Punkten offiziell für gute Stimmung sorgen. Wir haben die Tourstrecke mit ihren Highlights in einzelne Abschnitte zusammengefasst und verbinden die Fahrt durch Mönchengladbach mit einem Stück Stadtgeschichte.

 

ABSCHNITT I: KORSCHENBROICHER STRASSE – KAISER-FRIEDRICH-HALLE

 

Spätestens wenn die Tourprofis Korschenbroich verlassen, beginnen auf der Korschenbroicher Straße Richtung Mönchengladbach die Vorbereitungen für die erste Sprintwertung der Tour de France. Auf der gut ausgebauten Straße werden die Teams bereits versuchen, ihren Sprintern eine ideale Ausgangsposition zu verschaffen. Das Tempo wird auf dieser gut ausgebauten zweispurigen Straße stückchenweise angezogen.

 

Die erste Sehenswürdigkeit der Stadt ist für die Profis auf der Strecke und die Zuschauer an der Korschenbroicher Straße gar nicht ersichtlich: das Volksbad im Volksgarten. Versteckt hinter dichtem Gestrüpp, treffen sich in den Sommermonaten die Mönchengladbacher aus nah und fern im größten Freibad der Stadt. Das altehrwürdige Volksbad wurde 1924 bis 1926 erbaut und wurde am 20. Mai 2004 in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach eingetragen. Zwischen beiden Schwimmbecken liegt das symmetrisch gestaltete und imposante Betriebsgebäude mit einer Länge von 107 Metern. Die Anlage ist ausgelegt für 2.000 Besucher.

Der Eintritt in das Volksbad kostete damals übrigens 30 Reichspfennig, zu dieser Zeit die Hälfte eines normalen Stundenlohns. Anders als heute hatte das Volksbad auch im Winter geöffnet, damit die Mönchengladbacher hier Schlittschuhlaufen konnten.

 

 

 

Kurz bevor die Tourstrecke an der Unterführung direkt vor dem Berliner Platz scharf nach rechts auf die Rathenaustraße abgeht, ist auf der linken Seite das Haus des Handwerks zu sehen. Der 19-Millionen-Euro-Bau wurde 2014 eröffnet und bietet Platz für alle Lehrwerkstätten von der Kfz-Innung bis zur Tischlerwerkstatt. Spätestens auf der Rathenaustraße, wo am Veilchendienstag immer der Veilchendienstagszug startet und mehr als 400.000 Jecken am Straßenrand den närrischen Lindwurm erleben, sind die Sprinter der Tour bereits auf Betriebstemperatur. Deswegen wird hier und auf der Bismarckstraße die Strecke komplett mit Absperrgitter gesichert. Am Bismarckplatz, einem zentralen Verkehrsknotenpunkt der Stadt, schwenken die Fahrer auf die Bismarckstraße ein. Prägende Elemente am Bismarckplatz sind die Gebäude der Banken. Das Hauptgebäude der Stadtsparkasse liegt auf der gegenüberliegenden Seite, Deutsche Bank und Commerzbank haben hier ebenfalls Filialen. Am 21. Juli 1988 wurde das alte Gebäude der Stadtsparkasse am Bismarckplatz gesprengt. Der Neubau der Sparkassenhauptstelle wurde im Juli 1991 eröffnet. Neben zahlreichen Werken bekannter Mönchengladbacher Künstler bildet die Wasser-Licht-Skulptur von Heinz Mack den Mittelpunkt der Kundenhalle. Von 1863 bis 1908 war der Bismarckplatz auch Standort des Hauptbahnhofes, der heute zwischen Europaplatz und Bahnhofsvorplatz unmittelbar an der Hindenburgstraße zu finden ist. Der Bahnhofsvorplatz beherbergt auch den zentralen Omnibusbahnhof der Stadt.

 

Wenn die Profis auf der Bismarckstraße im Sprint Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen, werden sie sicherlich kein Auge für das repräsentative Gebäude haben, auf das sie direkt zufahren: die Kaiser-Friedrich-Halle. Zentral gelegen bietet das repräsentative Jugendstilgebäude auf zwei Ebenen den richtigen Rahmen für Theateraufführungen, Festveranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Vorträge, Messen und Kongresse für bis zu 1.800 Personen. Die „KFH“, erbaut zwischen 1901 und 1903, ist zweifelsohne ein Wahrzeichen der Stadt. Private Spender brachten damals 300.000 Mark und damit etwa die Hälfte der Bausumme auf. Benannt wurde die Halle nach Kaiser Friedrich III. (1831–1888). 1925 und 1937 wurde die Halle umgebaut und verfügte über 1000 Sitzplätze und einen umlaufenden Balkon. Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und wurde nach einem Theaterneubau 1959 zum Konzerthaus umgebaut. Was viele nicht wissen: 1964 brannte die Kaiser-Friedrich-Halle nieder und wurde von 1967 bis 1969 wiederaufgebaut.

 

An der Kaiser-Friedrich-Halle finden alle Besucher am Tourtag den ersten so genannten „Hot Spot“ in Mönchengladbach. In Verbindung mit dem Niederrheinischen Radwandertag soll sich hier alles rund um das Fahrrad drehen. Auch ein großer Fahrradparkplatz wird eingerichtet. Es gibt Infotainment, Essen und Trinken und ein tolles Musikprogramm auf der Bühne in der Konzertmuschel. Desweiteren ist ein Fahrradparcours für Kinder geplant. Eine 50 Quadratmeter große LED-Großbildleinwand wird die komplette Etappe zwischen Düsseldorf und Lüttich übertragen und auch die VIP-Gäste in der Kaiser-Friedrich-Halle auf dem Laufenden halten. Das Rahmenprogramm beginnt um 10 Uhr mit dem Start des Niederrheinischen Radwandertages und endet ca. 18 Uhr.

Direkt hinter der KFH beginnt der Bunte Garten, die „Grüne Lunge“ der Stadt. Er ist 30 Hektar groß und untergliedert in einen Botanischen Garten mit fünf Hektar mit einem Stein-, Kräuter- und Apothekergarten sowie in einen Duft- und Tastgarten für Blinde. Weitere Attraktionen sind der Spielplatz an der Bettrather Straße und die Voliere Welt-Icon mit über 200 einheimischen und fremdländischen Tieren gegenüber dem St. Barbara Kloster.

Aber zurück zur Bismarckstraße: Das BIS – Zentrum für offene Kulturarbeit e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 1989 aus der Fusion der Vereine „Aktion Kultur“ und „Kulturforum“ hervorgegangen ist. Sein Ziel ist es, Mitbürgern und Mitbürgerinnen ein attraktives Kulturangebot zu bieten und sie zu produktiver und rezeptiver Kulturarbeit zu aktivieren. Das BIS – Zentrum für offene Kulturarbeit verfügt über ein Café, dass an Veranstaltungstagen im BIS geöffnet ist und auch am Tag der Tour de France genutzt werden kann. Das Café liegt in unmittelbarer Nähe zum Zieleinlauf der ersten Sprintwertung an der Bismarckstraße. „Unsere Lage ist ideal. Wir gehen davon aus, dass es richtig voll werden wird. Wir werden Getränke, Kuchen und Würstchen anbieten, damit alle wohlgestärkt die erste Sprintwertung live erleben können“, erklärt BIS-Mitarbeiterin Aynur Izler. Im Schatten der ersten Sprintwertung liegt auch die Geburtsstätte des Café Heinemann. An der Bismarckstraße begann 1932 die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, als der Großvater des heutigen Geschäftsführers Heinz-Richard Heinemann die Konditorei an der Bismarckstraße erwarb. Seit 1968 gehören die Champagne-Trüffel des Chocolatier zu den großen europäischen Spezialitäten.  Anlässlich der Tour de France bietet die Konditorei Heinemann eine süße Besonderheit an: die goldene Praline „2017 TOURFIEBER Mönchengladbach“.   „Der Sprint auf der Bismarckstraße, der fast an unserem Stammhaus enden wird, bildet für uns eine besondere Einbindung. Deswegen war es klar, dass wir uns als heimatverbundenes Unternehmen in besonderer Weise beim größten Radsportereignis der Welt engagieren“, erklärt Konditormeister Heinz-Richard Heinemann. Die Praline mit edler Nougatfüllung veredelt die Tour in Mönchengladbach damit auch kulinarisch. Zum dahinschmelzen!

 

Wenn die Sprinter ihren Sieger ermittelt haben, schwenkt das Peloton links auf die Hermann-Piecq-Anlage ein. Hermann Piecq war von 1900 bis 1920 Oberbürgermeister in Mönchengladbach. In seine Amtszeit fiel unter anderem auch die Errichtung der Kaiser-Friedrich-Halle. Die zweispurige Straße ist eine Verkehrsader der Stadt.

 

ABSCHNITT II: KAISER-FRIEDRICH-HALLE – RHEYDTER HAUPTBAHNHOF

 

Von der Hermann-Piecq-Anlage führt die Tourstrecke weiter auf die Sternstraße, bevor sie dann in einer Linkskurve auf die Waldnieler Straße führt. Wer nicht zu schnell fährt, entdeckt auf der linken Seite die Hauptverwaltung der Santanderbank mit ihren rund 1.500 Mitarbeiter. 2007 wurde der repräsentative Neubau bezogen. Ein weiteres Gebäude der Bank wurde 2015 im Nordpark fertiggestellt. Auf der Hittastraße passiert das Teilnehmerfeld an der linken Seite den Geroweiher und das Gladbacher Münster, das nächste Wahrzeichen der Stadt.

 

 

 

Das Münster ist die „Keimzelle“ Mönchengladbachs. Von 974 bis zum Jahr 1802 war die katholische Kirche die Abteikirche der Benediktinerabtei Gladbach. Erzbischof Gero von Köln gründete nach seiner Rückkehr aus Konstantinopel, wahrscheinlich um 974, auf dem Gladbacher Hügel die Abtei. Die Mönche trieben die Besiedlung voran und gaben der Stadt in Verbindung mit dem Fluß Gladbach den Namen „Mönchen-Gladbach“. Im 12. Jahrhundert legten sie nördlich der Kirche einen Markt an. Immer mehr Menschen ließen sich in der Folgezeit nieder. Die Stadtrechte wurden in den Jahren 1364 bis 1366 erteilt. Die Stadt erhielt eine Stadtmauer, deren Reste heute noch am Geroweiher zu sehen sind. 1943/44 wurde die Münsterkirche bei Luftangriffen zerstört. 1947 begann der Wiederaufbau, im selben Jahr wurde der Münsterbauverein gegründet. Die Initiative zur Gründung des Vereins ging von den beiden Fabrikanten Dr. Curt Becker und Heinrich Overlack aus. Als Ziel des Vereins wurde „die Instandsetzung des Münsters und den Aufbau des Abteigebäudes“ festgelegt. Von 1995 bis 2008 wurde das Münster saniert. Als nächstes großes Projekt hat sich der Münster-Bauverein die Gestaltung des Brunnenhofes vorgenommen. Dabei wird es vor allem darum gehen, den Brunnenhof gartenarchitektonisch zu gestalten, so dass die Idee der alten Klosterarchitektur wieder erlebbar wird, und es wird insbesondere darum gehe, den neu gestalteten Brunnenhof der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Nachdem die Tour das Münster passiert hat, steuern die Fahrer über die Rheydter Straße die Rheydter City an. Rheydt ist heute ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Mönchengladbach, war aber bis 1975 eine eigenständige Stadt. An der Rheydter Straße fällt an der linken Seite die Hochschule Niederrhein ins Auge. Mit annähernd 15.000 Studierenden gehört die Hochschule Niederrhein mit ihren zwei Standorten in Mönchengladbach und Krefeld zu den vier größten Fachhochschulen in Deutschland. Der in der Vitusstadt ansässige Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein ist die größte akademische Bildungsstätte für die Textil- und Bekleidungsindustrie in Europa. Die Hochschule hat Mönchengladbachs Image als Textilstadt geprägt. Früher gab es zahlreiche Textil- und Bekleidungsfirmen, die in Mönchengladbach ansässig waren und den Begriff „Rheinisches Manchester“ geprägt haben. Heute hat die Anzahl der Firmen abgenommen, nichtsdestotrotz ist und bleibt Mönchengladbach als Stammsitz vieler weltweit führender Textil- und Bekleidungsunternehmen, als Zentrum des Textilmaschinenbaus und mit der Hochschule eine bedeutende Textilstadt. Die Hochschule blickt in Mönchengladbach auf eine mehr als 100-jährige Erfolgsgeschichte zurück: Zur Ausbildung von Führungskräften nahm 1901 in Mönchengladbach die „Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie“ ihren Betrieb auf. Die intensive Zusammenarbeit der ortsansässigen Textilindustrie führte 1932 zur Neugründung und Eingliederung der „Höheren Bekleidungsfachschule“ und 1936 zur „Textilingenieurschule“. Mit mehr als 2.000 Studierenden, 33 Professorinnen und Professoren, rund 25 Lehrbeauftragten und über 50 Mitarbeitern bietet der Fachbereich heute die idealen Bedingungen für ein anwendungsorientiertes Studium. Und es geht weiter: Direkt an der Rheydter Straße wird derzeit die neue Textilakademie NRW gebaut, die mit Angeboten zur Berufsvorbereitung, zu Schulabschlüssen, zur Berufsausbildung, zur überbetrieblichen Ausbildung, zur Techniker- und Meisterfortbildung, zur branchenspezifischen Weiterbildung und zum dualen Studium die textile Kompetenz der Stadt nochmals unterstreichen soll. Ein geplantes Center Textillogistik in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik wird zukünftig ebenfalls auf dem Campus beheimatet sein.

 

 

Kurz hinter der Baustelle der Textilakademie erreicht der Tourtross den so genannten „Tellmann-Platz“ in Rheydt. Hier hat die Stadt den zweiten „Hot Spot“ eingerichtet. Am Platz wird eine Großbildleinwand aufgebaut. Ein buntes Bühnenprogramm von 10 bis 18 Uhr sorgt für gute Unterhaltung. Der vom City Management Rheydt geplante „Hot Spot“ vermittelt französisches Flair und bietet allerlei leckere französische Spezialitäten an. Der „Tellmann-Platz“ wurde im Zuge des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ erst kürzlich umfassend saniert. Das Programm war für die Innenstadt Rheydt ein Glücksfall. Es ermöglichte eine Vielzahl an Bauprojekten (sehenswert ist der neue Rheydter Marktplatz!) und sozialen Angeboten, die die Lebenssituation der Einwohner Rheydts verbessern und das Stadtteilleben nachhaltig unterstützen sollen. Die passiert die Friedrich-Ebert-Straße und erreicht dann über die Wilhem-Schiffer-Straße den Rheydter Hauptbahnhof. Mönchengladbach ist übrigens die einzige Stadt in Deutschland, die zwei Hauptbahnhöfe hat. Die Tour zieht direkt am Bahnhofsgebäude, das seit diesem Jahr im Besitz der Stadt ist, vorbei. Die städtische Entwicklungsgesellschaft EWMG soll das marode und die in die Jahre gekommene Gebäude mit einem neuen Nutzungskonzept wiederbeleben. Mönchengladbachs Stadtplaner sehen den Hauptbahnhof Rheydt als wichtigen Baustein, um die Rheydter Innenstadt weiter aufzuwerten. Zunächst sollen städtebauliche Entwicklungsvorschläge erarbeitet werden. Ob das Gebäude abgerissen, durch einen Neubau ersetzt oder saniert werden soll, bleibt dabei völlig offen.

Schräg gegenüber hat sich an der Bahnhofstraße ein gastronomisches Angebot etabliert. Die Gaststätte „Töff-Töff“ in Sichtweite des Bahnhofs ist seit mehr als 30 Jahren ein Rheydter Institution und besonders bei Borussen-Fans beliebt, die von Rheydt aus den Stadion-Shuttleservice in den Borussia Park nutzen. Das „Töff-Töff“ ist vor und nach den Spielen der Borussia eine beliebte Anlaufstelle und wird es auch im Rahmen der Tour de France sein. Von 11 bis 17 Uhr wird es am Tourtag direkt an der Kneipe einen Getränkeausschank geben.

 

ABSCHNITT III: RHEYDTER HAUPTBAHNHOF – WICKRATHER MARKTPLATZ

 

 

Nachdem die Tour den Rheydter Hauptbahnhof passiert hat, schlängelt sich das Feld weiter Richtung Wickrath. Was für die Profis ein Kinderspiel ist, ist für Mönchengladbach fast schon eine Bergwertung: An der Wickrather Straße geht es tatsächlich ein wenig bergauf! „Für die Freizeitradler war es fast wie die Bergankunft am Alpe d’Huez“, scherzte Werner Hannen, Touristikwart des RV Möwe zuletzt bei der der „MG auf Tour“, die im Vorfeld der Tour de France mit 230 Teilnehmer die Tourstrecke im Durchschnittstempo von 25 km/h abradelte. Der Getränkefachhandel Trinkgut betreibt genau an dieser Stelle sein Geschäft. Am Tourtag wird auf dem Kundenparkplatz ein „Spiel-, Sport- und Spaßtag“angeboten. „Meine Kollegen aus anderen Filialen sind schon ganz neidisch, dass ich in diesem Jahr ohne Fußball-Welt- und Europameisterschaft der Einzige bin, der Teil eines sportlichen Großevents ist“, erklärt Geschäftsführer Karsten Kefenbaum. Auf dem Parkplatz direkt an der Strecke wird ein Programm für die ganze Familie angeboten: Es gibt Basketballkörbe, einen Kicker und eine Hüpfburg zum Spielen. Alkoholfreie Getränke werden kostenfrei angeboten. Für den kleinen Hunger gibt es Würstchen zum kleinen Preis. Geplant ist auch ein Kunstwerk: Mit Europaletten soll ein 34,80 Meter breites und 23 Meter hohes Fahrrad gebaut werden. „Im Fernsehen sieht man immer tolle Kunstwerke, die von der Hubschrauberkamera eingefangen werden. Vielleicht gelingt uns das auch mit unserem Fahrrad“, so Kefenbaum. Um Trinkgut am Tourtag gut erreichen zu können, empfiehlt Kefenbaum am Stapper Weg oder am Kuhlenweg zu parken. „Die Wickrather Straße ist ja gesperrt. Wir sind so gut zu Fuß erreichbar!“ Geplant ist das Programm von 10 bis 17 Uhr.

 

Mit einer kleinen abschließenden Abfahrt auf der Wickrather Straße verlassen die Tourprofis Rheydt. Am Reststrauch ist das Wasserwerk Reststrauch zu sehen. Das Wasserwerk im Süden der Stadt ging 1890 zur Versorgung der Bürger in Rheydt in Betrieb. Hier wird das Grundwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Insgesamt kann bis zu 4,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser jährlich abgegeben werden. Die maximale Aufbereitungsleistung liegt bei rund 1000 Kubikmeter pro Stunde. Die Tour passiert die Autobahnauffahrt Wickrath, die an diesem Tag gesperrt ist, und erreicht den Stadtteil Wickrath. Wickrath war bis zur Gebietsreform eine eigenständige Gemeinde im Kreis Grevenbroich. Am 1. Januar 1975 wurde sie im Zuge der Verschmelzung von Mönchengladbach mit Rheydt eingemeindet. Über die Gelderner Straße und Poststraße steuern die Radsportprofis über die Trompeterallee auf Schloss Wickrath zu.

Das barocke Schloss wurde im Auftrag des Reichsgrafen Wilhelm Otto Friedrich von Quadt (1717–1785) zwischen 1746 und 1772 erbaut. Die Vorburg ist erhalten und wird seit ihrem Bau mit kurzen Unterbrechungen bis heute als Pferdestall genutzt. Das Gebäudeensemble sowie der öffentlich zugängliche Park wurden 1985 unter Denkmalschutz bzw. Naturschutz gestellt. Zur Landesgartenschau 2002 wurden die Vorburg, die Brücken und der Park umfangreich saniert. Im gleichen Jahr verlegte das Rheinische Pferdestammbuch, eine Zuchtorganisation der Pferdezüchter im Rheinland, seinen Sitz von Bonn zum Schloss Wickrath. Seitdem wird der Ostflügel wieder als Pferdestall genutzt. Der Westflügel ist heute bewohnt, das Landstallmeisterhaus wird von einem Gastronomiebetrieb genutzt. Der Nassauer Stall dient als Veranstaltungssaal und Ausstellungsraum. Es finden dort ökumenische Gottesdienste, Kunstausstellungen, Kinderfeste, Jazzkonzerte, Workshops und andere Veranstaltungen statt. Bis zum Jahr 2010 war Schloss Wickrath 25 Jahre lang der Austragungsort des Schlossparkturniers. Das Turnier bestand aus den Disziplinen Springreiten und Dressurreiten.

 

 

Direkt vom Kreisverkehr am Schloss Wickrath erreicht das Teilnehmerfeld den dritten „Hot Spot“ in Mönchengladbach. Am Wickrather Marktplatz werden bevorzugt Familien von 10 bis 18 Uhr ein entsprechendes Programm vorfinden. Eine spektakuläre Hüpfburgenlandschaft wird Kinderherzen höherschlagen lassen. Eine Videoleinwand überträgt die Etappe auch hier. Genau an der Stelle, wo die Tourprofis von der Beckrather Straße fast in einer 90 Grad Drehung eine scharfe Rechtskurve in die Wickrathberger Straße nehmen müssen, wird bei Takko DJ Michael Fischer mit guter Musik unterhalten und die Moderation übernehmen. „Das habe ich auch schon beim Marathon in Düsseldorf gemacht. Ich kann gut motivieren“, erklärt der DJ, der zusammen mit Markt 18 und Takko für ein entsprechendes Programm sorgen wird. Auch die Werbekarawane vor der Tour soll von Fischer anmoderiert werden. „Ich denke, die Tour de France ist für jeden ein absolutes Highlight. Wir wollen hier einfach gut unterhalten“, so Fischer. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein.

 

ABSCHNITT IV: WICKRATHER MARKTPLATZ – WANLO

 

Über die Wickrathberger Straße passiert die Tour das Schlossbad Niederrhein. Das im Jahr 2008 neu eröffnete Ganzjahresbad unterteilt sich in einen Hallenbereich und ein Freibad, das in den Sommermonaten öffnet. Insgesamt stehen sieben verschiedene Becken zur Verfügung, unter anderem ein Kinderbecken, Ganzjahresbecken und ein Wildwasserkanal.

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Über die Straße „Auf dem Damm“ sowie „Berger Dorfstraße“ erreicht das Teilnehmerfeld Wickrathberg. Karl-Heinz Reinhard, Vorsitzender des Heimatvereins Wickrathberg, hat federführend die Organisation des „Tourtages“ übernommen. Alle Ortsvereine unterstützen das Event. Von 12 bis 17 Uhr wird es in Wickrathberg eine große Party geben. Die Sechs-Mann-Band „Seitensprung“ sorgt musikalisch für einige Höhepunkte, die Kinder dürfen sich auf eine riesige 40 Quadratmeter große Hüpfburg freuen. Auch eine Fahrradausstellung mit exotischen Fahrrädern ist geplant. Ein Zelt an der Berger Dorfstraße/Ecke Hochneukircher Weg bietet Sonn- und Regenschutz. Etwa 1.000 Quadratmeter Fläche stellt der Kartoffelbauer des Finkenbergers Hofs zur Verfügung. „Das ist einzigartiges Ereignis für Wickrathberg. Das werden wir so in dieser Form nicht noch einmal erleben. Und das wollen wir gemeinsam mit unseren Gästen feiern“, so Reinhard. Wer mit dem Auto kommen will, muss allerdings den Umweg über Hochneukirch in Kauf nehmen und sollte am besten schon frühzeitig anreisen.

 

An der Korschenbroicher Straße ging es los (KM 77), in Wanlo wird die Tour Mönchengladbach wieder verlassen (KM 97,5). Die Gemeinschaft der Wanloer Dorfvereine ist sich schon bewusst, dass sie die Tour aus Mönchengladbach verabschieden werden. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Reinhold Giesen, erster Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Wanlo. Wanlo ist der südlichste Stadtteil von Mönchengladbach und liegt am Rand des Tagebaus Garzweiler. Der Braunkohle-Abbau erstreckt sich zwischen den Städten Bedburg, Grevenbroich, Jüchen, Erkelenz und Mönchengladbach. Das Abbaugebiet „Garzweiler II“ besitzt nach geologischen Schätzungen Reserven von 1,3 Milliarden Tonnen. Die Braunkohle entstand aus weitflächigen Wäldern und Mooren, die sich in der Niederrheinischen Bucht vor 30 bis vor 5 Millionen Jahren entwickelten. Der Braunkohletagebau Garzweiler erfordert die Umsiedlung ganzer Ortschaften. Zwölf Dörfer und 7600 Bürger sind vom geplanten Garzweiler II betroffen, Wanlo wird allerdings nicht abgebaggert. Nach Abbau der Braunkohle soll das verbleibende Restloch im westlichen Teil des Tagebaues zu einem See umgestaltet werden. Ab 2045 sollen etwa 40 Jahre lang rund 60 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich aus dem Rhein in das Loch geleitet werden. Dieser See wird bis zu 185 Meter tief sein, eine Fläche von 23 Quadratkilometern besitzen und eine Füllmenge von zwei Milliarden Kubikmeter Wasser aufweisen.

 

Zusammen mit der Bruderschaft, dem Förderverein für Brauchtumspflege, der Dorfinteressengemeinschaft und der Freiwilligen Feuerwehr Wanlo planen die Wanloer Ortsvereine einen „Tourtreff“ in einem großen Zelt. Es soll eine Liveübertragung per Beamer geben, dazu Kaffee, Kuchen, Gegrilltes und vieles mehr. „Wir wollen die Tour mit guter Laune begrüßen“, so Giesen. 20 Helfer sollen einen reibungslosen Ablauf gewährleisten. Das Ende der Veranstaltung ist gegen 17 Uhr geplant. Während die Tourprofis dann bereits ihr Etappenziel in Lüttich erreicht haben, wird man nicht nur in Wanlo in Erinnerungen schwelgen. Für alle Beteiligten, Gäste und Besucher bleibt es der Tag, an dem die Tour durch Mönchengladbach führte.